Berichte
Das Herz des heiligen Kamillus “kommt zu Besuch“
Es ist vielleicht zunächst eine seltsame Vorstellung: Das Herz eines längst verstorbenen Menschen geht auf Reisen. Beim heiligen Kamillus ist das so: Einige Städte in Italien, Peru, Polen, Irland waren bisher Ziele der Herzreliquie des Heiligen Kamillus.
2012 ist es Deutschland. Bekannt ist vom heiligen Kamillus, dass er vierundsechzigjährig, am 14. Juli 1614, nach einem anfangs abenteuerlichen Leben dann aber unermüdlichen Einsatz für Kranke in Rom starb. Zu seiner Zeit war er kein Unbekannter. Die Vertreter der Kirche kannten ihn, er hatte schließlich die in ganz Rom bekannte “Gemeinschaft der Krankendiener“ gegründet; die Adeligen und vornehmen Römer kannten ihn, weil er sie für seine Armen und Kranken immer wieder angebettelt hatte. Und diese Armen und Kranken, die “Unheilbaren“ vor allen anderen, kannten ihn, die, denen er als letzte Hoffnung in bedrängenden menschlichen Nöten geholfen hatte.
Es wird berichtet, dass sich sein Tod wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitete und die Menschen scharenweise zur “Maddalena”, der Mutterhauskirche der Kamillianer unweit des Pantheons strömten. Sie wollten “ihrem Heiligen“, der von der Kirche noch längst nicht als offizieller Heiliger anerkannt war, die letzte Ehre erweisen, vielleicht ihm noch das eine oder andere Anliegen auf seinem Weg zum Herrgott mitgeben. Auch seine Mitbrüder, die ihn natürlich gut kannten, manchmal kaum seinen Plänen folgen und seine entschieden vorgetragenen Anweisungen erfüllen konnten, spürten, dass da ein Mensch von besonderem Format gestorben war. Es mag sein, dass auch sie bei aller Erschütterung über den Verlust “ihres Vaters“ und dem Durcheinander der heranströmenden Menschen daran dachten, sich das eine oder andere Erinnerungsstück zu sichern. Vor allem wohl war es ihnen wichtig, ein “lebendiges“ Bild von ihm zu bewahren. Das führte dazu, dass man eine Totenmaske anfertigen ließ. Wie genau es dazu kam und wann, ist nicht mehr feststellbar. Aber Tatsache ist, dass die Gebeine von Pater Camillo de Lellis in einen Sarg gelegt wurden. Das Herz wurde konserviert und in ein edel gestaltetes Glasgefäß zur Aufbewahrung und Ansicht gegeben. Dieser Schrein wird im sogenannten Sterbezimmer des 1746 heiliggesprochen Ordensgründers in der Mutterhauskirche in Rom aufbewahrt. Es ist dies der Raum, in dem sich die Patres und Brüder, die in diesem Haus leben, tagtäglich zum Gebet versammeln. Und sie spüren, dass ihr Gründer ihnen ganz nahe ist. Wenngleich man auf besondere Bitte Besucher zu der Herzreliquie führt, für die vielen Kranken in aller Welt, die sich seiner Fürsprache anvertrauen, ist das Gebet vor der Herzreliquie kaummöglich. Darum haben die Kamillianer, seine geistlichen Söhne beschlossen, dass das Herz des heiligen Kamillus “auf Reisen“ gehen kann. Wenn eine Ordensprovinz das wünscht, erlaubt die Ordensleitung unter ganz bestimmten Bedingungen das Verbringen der Reliquie an den gewünschten Ort.
Und was bedeutet das? Kardinal Gianfranco Ravasi hat einmal gesagt: “Das Herz ist das Zentrum des bewussten Lebens, der symbolische Sitz der Vernunft und des Willens, der Entscheidungen und der Moral und auch das Symbol für Gefühl und Leidenschaft“. So gesehen kommt der Herzreliquie des heiligen Kamillus eine besondere Bedeutung zu. In ihr konzentriert sich gleichsam die unvergleichliche Liebe des Kamillus zu den Kranken, sein geradezu rast- und ruheloses Bemühen, ihnen leibliche und geistliche Hilfe zukommen zu lassen und nicht zuletzt, der unbändige Wunsch, die Leidenssituation Kranker und Sterbender auf Dauer zu verbessern, woraus dann die Gründung seiner “Gemeinschaft der Krankendiener“ entstand.
Dem Herzen nahe zu sein, dem so viel an den Kranken gelegen war, das ist auch der Wunsch vieler Menschen, die sich bittend an ihn wenden, die seinem Beispiel folgen, die ihn als einen “Heiligen der Nächstenliebe“ verehren wollen. Das ist die Möglichkeit einer Begegnung, die auch in unserer Zeit ihren Wert und Sinn hat.
Darum kommt die Herzreliquie des heiligen Kamillus nach Deutschland, vom 18. Mai bis zum 1. Juni 2012 nach Essen-Heidhausen in die
St. Kamillus-Kirche, nahe dem Mutterhaus der deutschen Kamillianer. Die wünschen sich, dass es nicht nur ein “familiärer Besuch“ wird sondern eine Möglichkeit für viele Verehrer des heiligen Kamillus, für solche, die ihn kennen lernen wollen, für Kranke, die sich ihm anvertrauen möchten oder für Menschen, die ihn für kranke Angehörige, Freunde und Bekannte anrufen wollen, – ganz aus der Nähe zu seinem Herzen.
Wer sich für diesen außergewöhnlichen “Besuch eines Heiligen“ interessiert, bekommt von den Kamillianern gern nähere Informationen. (Pater Dietmar Weber)
Am 26. Mai besteht die Möglichkeit an einer Wallfahrt von Asbach nach Essen teilzunehmen.
Nähere Informationen dazu erteilen gerne die Töchter des hl. Kamillus, Asbach

